Kognitive Defizite vor der Behandlung und Behandlungseffekte auf die Aufmerksamkeit bei kindlicher Absence-Epilepsie

David Masur, Shlomo Shinnar, Avital Cnaan, Ruth Shinnar, Peggy Clark, Jichuan Wang, Erica Weiss, Deborah Hirtz, Tracy Glauser (2013)

Neurology 81(18), 1572-1580

Zusammenfassung

ZIEL: Ziel dieser Studie war es, die mit neu diagnostizierter, unbehandelter kindlicher Absencenepilepsie (CAE) assoziierten neurokognitiven Defizite zu ermitteln, ein Modell zur Beschreibung der Faktorenstruktur von Items zur Messung schulischer Leistungen und dreier neuropsychologischer Konstrukte zu entwickeln und kurzfristige differentielle neuropsychologische Effekte von Ethosuximid, Valproinsäure und Lamotrigin auf die Aufmerksamkeit zu bestimmen. METHODEN: Teilnehmer mit neu diagnostizierter CAE, die an einer doppelblinden, randomisierten, kontrollierten klinischen Studie teilnahmen, wurden neuropsychologisch getestet. Die Tests umfassten die Beurteilung der allgemeinen intellektuellen Leistungsfähigkeit, der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses, der exekutiven Funktionen und der schulischen Leistungen. Die Aufmerksamkeit wurde in der 16.–20. Woche erneut untersucht. ERGEBNISSE: Zu Studienbeginn wiesen 36 % der Kohorte Aufmerksamkeitsdefizite auf, obwohl ihre neurokognitiven Funktionen ansonsten intakt waren. Die Strukturgleichungsmodellierung der neuropsychologischen Ausgangsdaten ergab einen direkten sequenziellen Effekt zwischen Aufmerksamkeit, Gedächtnis, exekutiven Funktionen und schulischen Leistungen. Auch nach Erreichen der Anfallsfreiheit bestanden die Aufmerksamkeitsdefizite in der 16.–20. Woche fort. Mehr Kinder, die Valproinsäure erhielten (49 %), wiesen Aufmerksamkeitsdefizite auf als Kinder, die Ethosuximid (32 %) oder Lamotrigin (24 %) erhielten (p = 0,0006). Die Eltern konnten Aufmerksamkeitsdefizite weder vor noch nach der Behandlung zuverlässig erfassen (p < 0,0001). SCHLUSSFOLGERUNGEN: Kinder mit CAE weisen häufig vor Behandlungsbeginn Aufmerksamkeitsdefizite auf, die trotz Anfallsfreiheit fortbestehen. Die Häufigkeit ist unter Valproinsäure im Vergleich zu Ethosuximid oder Lamotrigin unverhältnismäßig hoch. Eltern erkennen diese Aufmerksamkeitsdefizite nicht. Diese Defizite stellen eine Gefahr für den schulischen Erfolg dar. Eine sorgfältige kognitive und verhaltensbezogene Beurteilung dieser Kinder ist daher angezeigt. KLASSIFIZIERUNG DER EVIDENZ: Diese Studie liefert Evidenz der Klasse I, dass Valproinsäure bei Kindern mit neu diagnostizierter CAE mit signifikant stärkeren Aufmerksamkeitsstörungen einhergeht als Ethosuximid oder Lamotrigin.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik, Therapie

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Exekutive Funktionen, Hyperaktivität, EEG, Geschlecht, Schule, Neuropsychologie

This publication in English

Nach oben scrollen