Schätzung des Minutenablaufs: Abweichende oszillatorische frontale Aktivität bei medikamentös behandeltem und unbehandeltem ADHS

Tony Wilson, Elizabeth Heinrichs-Graham, Matthew White, Nichole Knott, Martin Wetzel (2013)

Neuropsychology 27(6), 654-665

Zusammenfassung

ZIELSETZUNG: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine häufige und intensiv behandelte psychiatrische Störung bei Kindern, die oft bis ins Erwachsenenalter fortbesteht. Zu den Kernsymptomen gehören unangemessene Hyperaktivität, Impulsivität und/oder anhaltende Unaufmerksamkeit. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Störung sind Störungen der Zeitwahrnehmung, die in Verhaltensstudien gut dokumentiert sind und in jüngster Zeit im Fokus von bildgebenden Verfahren standen. Diese funktionellen Magnetresonanztomographie-Studien (fMRT) zeigten eine reduzierte Aktivierung im anterioren cingulären und präfrontalen Kortex bei ADHS mithilfe einer Zeitintervall-Diskriminierungsaufgabe, bei der die Teilnehmenden Intervalle unterschieden, die sich nur um Hunderte von Millisekunden unterschieden. METHODE: Wir nutzten Magnetoenzephalographie (MEG), um das kortikale Netzwerk der Zeitwahrnehmung während eines kontinuierlichen, minutenlangen Zeitschätzungsexperiments zu untersuchen. Kurz gesagt, reagierten medikamentös behandelte und unbehandelte Personen mit ADHS sowie eine Kontrollgruppe in zwei separaten MEG-Sitzungen jeweils auf die geschätzte Zeitspanne von 60 Sekunden, die ihrer Meinung nach verstrichen war. Alle MEG-Daten wurden in regionale Quellaktivität transformiert und spektralen Analysen unterzogen, um Amplitudenschätzungen der Gamma-Band-Aktivität zu erhalten. ERGEBNISSE: Im Vergleich zur Kontrollgruppe schätzten unbehandelte Patienten die Zeit weniger genau ein und wiesen eine schwächere Gamma-Aktivität im anterioren Cingulum, im supplementären motorischen Areal und im linken präfrontalen Kortex auf. Nach der Medikation zeigten diese Patienten einen geringen, aber signifikanten Anstieg der Gamma-Aktivität in denselben Hirnregionen sowie signifikante Verbesserungen der Genauigkeit der Zeitschätzung, die mit dem Anstieg der Gamma-Aktivität korrelierten. SCHLUSSFOLGERUNG: Wir fanden eine verminderte Gamma-Aktivität in Hirnarealen, die bekanntermaßen entscheidend für die Zeitwahrnehmung sind. Dies könnte den alltäglichen Störungen der Zeitwahrnehmung zugrunde liegen, die bei ADHS häufig auftreten.

Kategorien: ADHS bei Erwachsenen, Diagnostik, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, ADHS im Erwachsenenalter, Kinder, Erwachsene, Diagnostik, Amphetamin, Stimulanzien, Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, MRT, Geschlecht, Neuropsychologie

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