Gemeinsame genetische Einflüsse zwischen Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)-Merkmalen bei Kindern und klinischer ADHS
Evie Stergiakouli, Joanna Martin, Marian Hamshere, Kate Langley, David Evans, Beate St Pourcain, Nicholas Timpson, Michael Owen, Michael O'Donovan, Anita Thapar, George Davey Smith (2015)
Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 54(4), 322-327
Zusammenfassung
ZIELSETZUNG: Zwillingsstudien und genomweite Analysen komplexer Merkmale (GCTA) liefern widersprüchliche Ergebnisse hinsichtlich der Erblichkeitsschätzungen für Verhaltensmerkmale bei Kindern aus der Allgemeinbevölkerung. Dies hat eine Debatte über mögliche Unterschiede in der genetischen Architektur zwischen Verhaltensmerkmalen und psychiatrischen Störungen ausgelöst. In dieser Studie untersuchen wir, ob polygene Risikoscores, die mit der Variation der Ausprägung von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)-Merkmalen bei Kindern aus der Allgemeinbevölkerung assoziiert sind, den ADHS-Diagnosestatus und den Schweregrad in einer unabhängigen klinischen Stichprobe vorhersagen können. METHODE: Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNPs) mit p < 0,5 aus einer genomweiten Assoziationsstudie zu ADHS-Merkmalen bei 4.546 Kindern (mittleres Alter: 7 Jahre und 7 Monate) der Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC; Stichprobe der Allgemeinbevölkerung) wurden ausgewählt, um polygene Risikoscores bei 508 Kindern mit einer ADHS-Diagnose (unabhängige klinische Stichprobe) und 5.081 Kontrollpersonen zu berechnen. Polygenetische Scores wurden hinsichtlich ihres Zusammenhangs mit dem Fall-Kontroll-Status und dem Schweregrad der Störung in der klinischen Stichprobe untersucht. ERGEBNISSE: Ein erhöhter polygener Score für ADHS-Merkmale sagte den ADHS-Fall-Kontroll-Status (Odds Ratio = 1,17 [95 %-KI = 1,08–1,28], p = 0,0003), einen höheren Schweregrad der ADHS-Symptome (β = 0,29 [95 %-KI = 0,04–0,54], p = 0,02) und den Schweregrad der Symptomdomänen in der klinischen Stichprobe vorher. SCHLUSSFOLGERUNG: Diese Studie unterstreicht die Relevanz additiver genetischer Varianz bei ADHS und liefert Hinweise darauf, dass gemeinsame genetische Faktoren sowohl zu Verhaltensmerkmalen in der Allgemeinbevölkerung als auch zu psychiatrischen Störungen beitragen, zumindest im Fall von ADHS.
Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik
Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Genetik, Geschlecht
