Überdiagnostiziert und überbehandelt: Eine Umfrage zu den Einstellungen der australischen Bevölkerung gegenüber der Akzeptanz von medikamentöser Behandlung von Depressionen und ADHS

Brad Partridge, Jayne Lucke, Wayne Hall (2014)

BMC Psychiatry 14, 74

Zusammenfassung

HINTERGRUND: In den letzten zehn Jahren hat die Verwendung von Psychopharmaka zur Behandlung häufiger psychischer Erkrankungen in Australien zugenommen. Diese Studie untersucht: 1) die öffentliche Meinung zur Akzeptanz der medikamentösen Behandlung von Depressionen und Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) mit verschreibungspflichtigen Medikamenten und 2) die Einschätzung einer Überdiagnose von Depressionen und ADHS. METHODE: Im Rahmen der Queensland Social Survey (QSS), einer landesweiten Haushaltsbefragung in Queensland, wurden 1293 Personen aus der Allgemeinbevölkerung zu ihrer Einstellung gegenüber der medikamentösen Behandlung von Depressionen und ADHS befragt. Die Befragung erfolgte mittels computergestützter Telefoninterviews (CATI). Mithilfe logistischer Regressionsanalysen wurde die Akzeptanz der medikamentösen Behandlung sowie die Einschätzung einer Überdiagnose von Depressionen und ADHS vorhergesagt. ERGEBNISSE: Die meisten Teilnehmenden (60,9 %) gaben an, die Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Behandlung von Depressionen für akzeptabel zu halten. Im Gegensatz dazu fiel die Einstellung zur Verwendung von verschreibungspflichtigen Medikamenten zur Behandlung von ADHS deutlich weniger positiv aus: Etwa gleich viele Befragte hielten dies für akzeptabel (42,1 %) wie für inakzeptabel (38,2 %). Mehr als die Hälfte der Befragten stimmte zu, dass zu viele Menschen fälschlicherweise mit Depressionen diagnostiziert werden (57,7 %), und 78,3 % der Teilnehmenden waren der Meinung, dass zu viele Kinder fälschlicherweise mit ADHS diagnostiziert werden. Teilnehmende, die eine Überdiagnose von Depressionen oder ADHS befürworteten, hielten die medikamentöse Behandlung dieser Erkrankungen seltener für akzeptabel. FAZIT: Trotz steigender Verschreibungsraten besteht weiterhin erhebliches Potenzial, die Akzeptanz der Bevölkerung für die Behandlung häufiger psychischer Erkrankungen mit Psychopharmaka zu erhöhen. Darüber hinaus spiegeln die Ansichten der Öffentlichkeit zur Überdiagnose von Depressionen und ADHS die anhaltende Kontroverse um die korrekte Diagnose dieser Erkrankungen wider, und diese Ansichten wirken sich negativ auf die Einstellung zur medikamentösen Behandlung aus. Dies kann ein Hindernis für eine effektive Behandlung dieser Erkrankungen darstellen, da eine medikamentöse Therapie häufig als erste Maßnahme empfohlen wird.

Kategorien: Affektive Störungen, Diagnostik, Medikamente

Schlagwörter: ADHS, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Stimulanzien, Hyperaktivität, Depression, Geschlecht

This publication in English

Nach oben scrollen