Delinquenz, Aggression und aufmerksamkeitsbezogene Verhaltensprobleme sagen den Substanzkonsum bei Jugendlichen mit ADHS unterschiedlich voraus.
Seth Harty, Stavroula Galanopoulos, Jeffrey Newcorn, Jeffrey Halperin (2013)
The American journal on addictions / American Academy of Psychiatrists in Alcoholism and Addictions 22(6), 543-550
Zusammenfassung
ZIEL: Ziel dieser Studie war es, den Zusammenhang zwischen kindlichen und jugendlichen Einschätzungen von Aggression, Aufmerksamkeit und Delinquenz und dem Substanzkonsum Jugendlicher mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zu untersuchen. HINTERGRUND: Es ist bekannt, dass externalisierende Störungen im Kindesalter maladaptiven Substanzkonsum im Jugendalter vorhersagen können. Bisherige Studien haben jedoch den unterschiedlichen prädiktiven Wert zweier Dimensionen externalisierenden Verhaltens – Aggression und Delinquenz – kaum untersucht. METHODEN: 97 klinisch überwiesene Kinder mit ADHS nahmen im Alter von durchschnittlich 9,05 Jahren an dieser Studie teil und wurden durchschnittlich 9,30 Jahre später erneut untersucht. Die Eltern der Teilnehmenden füllten zu Beginn und im Verlauf der Studie die Child Behavior Checklist (CBCL) aus, die Jugendlichen selbst den Youth Self Report (YSR). Im Verlauf der Studie wurden Schweregrad und Diagnose des Substanzkonsums mithilfe von halbstrukturierten psychiatrischen Interviews erfasst, die separat mit Eltern und Jugendlichen durchgeführt wurden. Lineare und binäre logistische Regressionen wurden eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen CBCL- und YSR-erfassten Aufmerksamkeitsstörungen, Aggression und Delinquenz mit dem Substanzkonsum im Jugendalter zu untersuchen. ERGEBNISSE: Delinquenz im Kindes- und Jugendalter, nicht aber Aggression, wie von Eltern und Jugendlichen eingeschätzt, sagte Substanzkonsumstörungen und deren Schweregrad im Jugendalter vorher (alle p < .05). Nach Berücksichtigung der Zusammenhänge zwischen Delinquenz und Aggression mit dem Substanzkonsum im Jugendalter zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitsstörungen im Kindes- und Jugendalter und dem Substanzkonsum. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Kinder mit ADHS, die häufig Delinquenz zeigen, haben ein erhöhtes Risiko für späteren Substanzkonsum und benötigen möglicherweise gezielte Präventions-, Interventions- und Nachsorgeangebote.
Kategorien: Diagnostik, Störung des Sozialverhaltens, Sucht
Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Diagnostik, Hyperaktivität, Störung des Sozialverhaltens, Sucht, Geschlecht, Aggression
