Der Einfluss der Falldefinition auf die Prävalenzschätzungen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung in bevölkerungsbasierten Stichproben von Schulkindern

Robert McKeown, Joseph Holbrook, Melissa Danielson, Steven Cuffe, Mark Wolraich, Susanna Visser (2015)

Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry 54(1), 53-61

Zusammenfassung

ZIEL: Die Studie untersuchte den Einfluss unterschiedlicher Diagnosekriterien für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), einschließlich der neuen DSM-5-Kriterien, auf die Prävalenzschätzungen. METHODE: Anhand von Eltern- und Lehrerberichten wurden Kinder mit ADHS in Grundschulen zweier Bundesstaaten identifiziert, die im Screening häufig bzw. selten auftraten. Die Stichprobe war insgesamt heterogen. Im Rahmen der Elterninterviews wurde das Diagnostic Interview Schedule for Children-IV (DISC-IV) eingesetzt, ergänzt durch bis zu vier weitere Folgeinterviews. Gewichtete Prävalenzschätzungen, die die komplexe Stichprobenziehung berücksichtigten, quantifizierten den Einfluss unterschiedlicher ADHS-Kriterien anhand der Daten der Ausgangsuntersuchung und des abschließenden Folgeinterviews. ERGEBNISSE: Zu Beginn der Studie wurden 1.060 Bezugspersonen befragt; 656 nahmen an mindestens einem Folgeinterview teil. Lehrer und Eltern berichteten bei 20,5 % (95 %-KI = 18,1 %–23,2 %) bzw. 29,8 % (KI = 24,5 %–35,6 %) der Kinder von 6 oder mehr ADHS-Symptomen. Durch die Anwendung der Kriterien für Beeinträchtigung und Beginn bis zum 7. Lebensjahr (DSM-IV) reduzierten sich diese Anteile auf 16,3 % (KI = 14,7 %–18,0 %) bzw. 17,5 % (KI = 13,3 %–22,8 %); die Forderung nach mindestens 4 von Lehrern berichteten Symptomen verringerte die von den Eltern berichtete Prävalenz auf 8,9 % (KI = 7,4 %–10,6 %). Die Anpassung des Erkrankungsbeginns auf 12 Jahre gemäß DSM-5 erhöhte die geschätzte Prävalenz von 8,9 % auf 11,3 % (KI = 9,5 %–13,3 %). Ein ähnlicher Anstieg zeigte sich bei der Nachuntersuchung: 8,2 % bei Erkrankungsbeginn mit 7 Jahren (KI = 5,9 %–11,2 %) gegenüber 13,0 % (KI = 7,6 %–21,4 %) bei Erkrankungsbeginn bis zum 12. Lebensjahr. Die Reduzierung der erforderlichen Symptomanzahl für Personen ab 17 Jahren erhöhte die Gesamtschätzung auf 13,1 % (KI = 7,7 %–21,5 %). FAZIT: Diese Ergebnisse quantifizieren den Einfluss unterschiedlicher Falldefinitionskriterien für ADHS auf die Prävalenzschätzungen. Weitere Forschung zu Beeinträchtigungsbewertungen und Daten von mehreren Informanten ist erforderlich, um Kliniker bei der Durchführung diagnostischer Beurteilungen besser zu informieren. Die Änderungen des DSM-5 hinsichtlich des Erkrankungsbeginns und der erforderlichen Symptomanzahl für ältere Jugendliche scheinen die Prävalenzschätzungen zu erhöhen, wobei die genauen Auswirkungen aufgrund des Alters unserer Stichprobe jedoch ungewiss sind.

Kategorien: ADHS bei Kindern, Diagnostik

Schlagwörter: ADHS, ADHS bei Kindern, Kinder, Jugendliche, Diagnostik, Hyperaktivität, Prävalenz, Geschlecht, Schule

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